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Worte sind trügerisch, sie sind nur Symbol, spiegeln die Wirklichkeit in ein einfaches Raster, erschaffen ein Bild dessen, was ist. Unser Denken benutzt sie, um Welten in unseren Köpfen zu erschaffen, uns die Illusion einer Flucht aus einer Realität zu bieten, die durch die unzähligen Wünsche und Ängste, die unser Gehirn erzeugt, so unzulänglich zu sein scheint. Viel zu oft werden Worte zu genau diesem Zweck geschrieben, um eben solchen Schein zu erschaffen, den falschen Glanz in unseren Köpfen zu erzeugen, den wir so lieben, weil wir zu echter gedanken- und bedingungsloser Liebe nicht fähig sind.
Die Wissenschaft macht uns vor, was Worte wirklich sind, was für ein einzigartiges, wundervolles Werkzeug der Mensch mit ihnen erschaffen hat. Sie können die Wirklichkeit beschreiben und festhalten und so die menschliche Kommunikation Raum und Zeit überwinden lassen. Diese Sprache der Wissenschaft ermöglicht den technologischen Fortschritt, verschafft dem Gehirn des Menschen, das zu solch unglaublichen Leistungen fähig ist, die Möglichkeit, als das Eine zusammen zu wirken, das es ist, das es in Millionen Jahren menschlicher Entwicklung geworden ist.

Doch wie jedes Werkzeug muss auch dieses richtig gehandhabt werden. Allzu oft wird das, was die Worte transportieren, ihre Bedeutung, verzerrt durch das Denken des Lesenden. Wenn es ihn ängstigt, was da steht, mag er das Geschriebene bezweifeln, wenn es ihm wünschenswert scheint, glorifiziert er es vielleicht. Er lässt die Worte zu Gelüsten oder Ängsten werden, setzt sie in seinen Kopf, um sie dort mit sich herumzutragen, sie werden zu Bildern der Vergangenheit oder der Zukunft. Bilder, oft realer als das, was gerade vor unseren Augen passiert, und noch schlimmer: es so häufig auch überlagernd und verzerrend.
Worte transportieren eine Botschaft, die in ihnen selbst liegt. Die Buchstaben bilden die Worte, die wiederum Sätze bilden, und diese den Text. Werden sie verstanden, wird ihre Sprache gesprochen, sei es beispielsweise die der Wissenschaft, einer speziellen Wissenschaft, oder eine Landessprache, sind sie vollkommen eigenständig, enthalten ihre Bedeutung ohne irgendein Beiwerk zu benötigen. Im Gegenteil, jedwede von außen über sie gelegte Schablone verändert die transportierte Botschaft, verändert ihren Sinn, beziehungsweise gibt ihnen erst Sinn – denn der eigentliche »Sinn« besteht ja gerade in den Worten selbst, in der puren Bedeutung. Die einzig nötige Übersetzung ist die, die im Moment des Lesens schon automatisch geschieht, doch leider wird meistens noch eine zweite angefügt, die Übersetzung in die selbst erschaffene Sprache unserer Vorstellungen, Ängste, Wünsche, Vorlieben und Einstellungen, in die Muster, die Gesellschaft, Familie, starre Erziehung, Millionen Jahre menschlicher Entwicklung und nicht zuletzt und alles zusammenfassend unser Denken selbst uns auferlegt haben und es täglich tun. Und so geschieht es, dass wir Worte interpretieren, dass Meinungen über Texte und Bücher entstehen, es gibt Kritiken, die das Geschriebene bewerten, es als »gut« oder »schlecht« einordnen, es in eine Schublade stecken, aus der man beim Lesen nicht mehr heraus schaut. Ja mehr noch, nur allzu oft steckt man schon vorher in einer solchen Schublade, weil man etwas über den Autor oder das Werk gehört hat und mit entsprechender Vorverurteilung an seinen Text heran geht. Oder man hält alle Bücher einer ganzen Kategorie, aus einer Zeit, aus einem geografischen, gesellschaftlichen oder thematischen Bereich schon für Blödsinn und kann beim Lesen von vorne herein nicht mehr unvoreingenommen das aufnehmen, das da steht.

So oft sind Bücher schon unter ebendieser Prämisse geschrieben, um die Kritiker zu beeindrucken, um Klischees zu bedienen, Wünsche und Erwartungen zu befriedigen und sich gut zu verkaufen, um Ideologien zu verbreiten und so weiter. Doch auch solche Worte tragen ihre pure Bedeutung in sich; sie sind immer noch das Werkzeug, das Wirklichkeit codiert und transportiert und enthalten alles in sich, was nötig ist, sie zu verstehen. Man braucht auch in solchen Fällen kein Wissen über den Autor und den Text, um diesen zu verstehen, sondern kann im Gegenteil, mit einem klaren Geist, der willens ist, nur zu sehen was da steht, was wirklich real ist, aktuelle Wirklichkeit ist - man kann aus den Worten auf denjenigen schließen, der sie geschrieben hat, kann mittransportierte Botschaften, Ideen, Vorstellungen erkennen, sie nicht automatisch mitkonsumieren.
Ungleich schwieriger ist es, mit derselben unbeeinflussten Klarheit die nicht sprachlichen Übersetzungen des eigenen Gehirns zu erkennen, sie als den auferlegten, unfreien Ballast zu entlarven der er ist, und die pure, elegante, klare Bedeutung aufzunehmen, die in den Worten selbst steckt, nicht mehr und nicht weniger. Zu erkennen, dass man, wie es so oft geschieht, einen Autoren aburteilt, weil das Gelesene den eigenen Einstellungen widerspricht, oder umgekehrt: Meinungen des Autors automatisch akzeptiert, weil man sich schon ein festes Urteil über ihn gebildet hat - und dadurch nicht mehr unvoreingenommen das Geschriebene aufnehmen kann.

Und es ist nicht so, dass durch solch »pures« Lesen die Poesie, die Schönheit der Sprache verhindert würde. Im Gegenteil, erst unter dieser Prämisse können unter denselben Voraussetzungen geschriebene buchstäblich buchstäbliche Kunstwerke ihre wahre Schönheit entwickeln. Worte an sich können wunderschön sein, zu Tränen rühren, ohne dass der Grund hierfür eigene Gefühle oder Gedanken sind, die beim Lesen in einem aufsteigen. Worte können dasselbe gedankenlose Staunen erzeugen, das einen im Angesicht eines wundervollen Sonnenuntergangs oder einer sternenklaren Vollmondnacht überkommt. Der japanische Haiku oder die klassischen chinesischen Gedichte machen es uns vor.

Auf dieser Seite stehen die Worte allein, ohne Verfasser, ohne Erklärung, ohne irgendein Beiwerk welcher Art auch immer; sie transportieren die Tatsachen, die sie beschreiben, in sich selbst. Wer sich beim Lesen fragt, wer denn nun den Text geschrieben hat, um durch dieses Wissen einen Haltepunkt zu haben, wie man ihn zu verstehen hat, wie man ihn bewerten soll, ob er gut oder schlecht ist und so weiter – wer solches an sich bemerkt steckt tief im oben beschriebenen Muster fest, ist Gefangener seiner eigenen Einstellungen, innerhalb gesellschaftlicher, über Tausend Jahre entwickelter gedanklicher Mauern. Doch gerade im Erkennen dessen liegt der erste und wichtigste Schritt in die richtige Richtung.
Offene Augen und stilles Gehirn sind vonnöten zum echten Lesen. Zum echten Leben.

Vor dem Fenster steht eine Birke. Ihre Zweige hängen hinab und schaukeln in der Brise, ihre weiße Rinde leuchtet hell in der tiefen Herbstsonnne. Eine Möwe schreit, Krähen stimmen ein. Eine Spinne wandert langsam in der kühlen Morgenluft über ihr von diamantgleich glitzernden Tautropfen beschwertes Netz. Hoch am wolkenlosen Himmel zieht eine Schar Wildgänse gen Süden.

Die Berge müssen allein sein. Es muss sehr schön sein, wenn der Regen in den Bergen niedergeht und die Regentropfen auf die stille Oberfläche eines Bergsees fallen. Wie gut die Erde riecht, wenn es regnet. Dann kommen alle Frösche heraus und fangen an zu quaken. Wenn es in den Tropen regnet, wird ein eigentümlicher Zauber spürbar. Alles wird reingewaschen, der Staub von den Blättern gespült, die Flüsse werden lebendig, und überall hört man das Geräusch von fließendem Wasser. Die Bäume bringen grüne Triebe hervor, und wo ausgedörrte karge Erde war, schießt frisches, wildes Gras aus dem Boden. Tausende Insekten scheinen aus dem Nichts aufzutauchen, und die durstige Erde wird getränkt. Die Sonne scheint für eine Weile weniger unbarmherzig herab, und die Erde ist grün geworden; ein Ort der Schönheit und des Überflusses. Der Mensch ist weiterhin damit beschäftigt, sich seine eigenen Probleme zu schaffen, aber die Erde ist wieder lieblich und voller Zauber.

Seltsam – wie sehr die meisten Menschen nach Anerkennung und Ruhm streben. Sie wollen berühmte Dichter, große Philosophen, mächtige Politiker sein. Sie suchen nach etwas, das ihr Ego aufbläht. Es verschafft ihnen große Befriedigung, aber im Grunde ist es bedeutungslos. Ruhm nährt unsere Eitelkeit, füllt vielleicht unsere Taschen – und dann? Es schafft eine Distanz zwischen uns und den anderen, und diese Trennung bringt ihre eigenen Probleme mit sich, die ständig größer werden. Obwohl sie uns Befriedigung verschaffen mögen, sind Ruhm und Anerkennung keine Werte an sich. Die meisten Menschen sind jedoch in ihre Suche nach Anerkennung verstrickt, in ihr Bestreben, etwas zu erreichen und ihre Wünsche zu erfüllen. Da sind Misserfolge und das daraus resultierende Leiden unvermeidlich. Man muss beides hinter sich lassen – Erfolg und Versagen, Erfolg und Misserfolg. Tu einfach, was du gern tust, ohne dich um das Ergebnis zu kümmern. Liebe kennt keine Belohnung oder Bestrafung. Es ist eine ganz und gar einfache Sache, wenn Liebe da ist.

Wie wenig Aufmerksamkeit schenken wir den Dingen, die uns umgeben; wir sehen und beobachten nicht wirklich, was um uns herum geschieht. Wir sind so ichbezogen, so mit unseren Sorgen und Befürchtungen beschäftigt und damit, unseren Vorteil herauszuschlagen – wir haben keine Zeit zu beobachten und zu verstehen. Diese ständige innere Überaktivität macht uns abgestumpft und müde, frustriert und ängstlich, und dann versuchen wir, vor den Sorgen davonzulaufen. Aber solange das Selbst auf diese Weise aktiv ist, sind Abgestumpftheit und Frustration unvermeidlich. Die Menschen verlieren sich in einem wahnsinnigen Rennen, im Schmerz ihres ichbezogenen Leidens, das aus tiefer Gedankenlosigkeit erwächst. Die Achtsamen sind frei von Leid.

Das Leben ist ernst, aber in diesem Ernst liegt ein großes Lachen.

Die Welt ist ein schöner Ort, und wir tun alles, ihr zu entfliehen – durch Andacht, Gebete, unsere Vorlieben und Ängste. Wir wissen nicht einmal, ob wir arm oder reich sind, denn wir sind noch nie tief in unser Inneres vorgedrungen und haben entdeckt, »was ist«. Wir leben an der Oberfläche, sind mit so wenig zufrieden; unser Glück oder Unglück hängt von so geringfügigen Dingen ab. Unser mittelmäßiger Verstand kreiert mittelmäßige Probleme und mittelmäßige Lösungen; so verbringen wir unsere Tage. Wir lieben nicht, und wenn wir lieben, ist unsere Liebe stets mit Angst und Frustration, mit Leiden und Sehnsucht vermischt.

Es ist so wichtig, unschuldig zu sein, eine innere Unschuld zu bewahren. Erfahrungen sind unvermeidlich, vielleicht auch notwendig. Das Leben besteht aus einer Reihe von Erfahrungen, aber das heißt nicht, dass wir die Last sämtlicher Erfahrungen mit uns herumschleppen müssen. Wir können jede Erfahrung auswischen und wieder unschuldig werden – unbelastet. Das ist wichtig, andernfalls können wir niemals geistig frisch, wach und flexibel sein. Die Frage, »wie« man geistig beweglich bleibt, ist unwesentlich, denn die Frage nach dem »Wie« bedeutet, dass wir nach einer Methode suchen. Eine Methode kann uns unsere Unschuld jedoch nicht wiedergeben. Sie kann uns methodisches Vorgehen lehren, aber sie kann uns weder Unschuld noch Kreativität geben.

Die Texte dieser Seite stehen für sich, ihre Bedeutung, die beschriebenen Tatsachen erschließen sich allein aus den Worten selbst und bedürfen nicht der Angabe eines Autors, um dadurch das Geschriebene bewerten, interpretieren oder einordnen zu können.
Lest mit weit offenen Augen und stillem Gehirn, lasst die Gedanken schweigen und nehmt einfach auf, was da steht, lasst es auf euch wirken und schaut, was passiert.

Die Texte sind teilweise die Worte fremder Autoren, bei Bedarf verändert, um sie aus dem Zusammenhang gerissen besser verstehen zu können, oder für die Leser angepasst, denen das manchmal spezielle Vokabular des Autors nicht bekannt sein kann - und teilweise eigens angefertigte Übersetzungen solcher Zitate. Die Texte des Betreibers dieser Seite stehen gleichberechtigt daneben.

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